Babyelefant

Babyelefant

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In Deutschland ist es die „Corona-Pandemie“, in Österreich der „Babyelefant“: Die Wörter des Jahres 2020 wurden gekürt. Für mich als Wort-Begeisterte sind diese Wörter des Jahres immer ein besonderes Highlight. Denn nichts anderes führt uns so deutlich vor Augen, wie sehr Sprache unser Zusammenleben bestimmt – und wie sehr sich beides Jahr für Jahr verändert.

Babyelefant Der wohl zumindest zweitberühmteste Babyelefant in Österreich: Kibali im Tiergarten Schönbrunn. Foto: Daniel Zupanc

Hätte man mich vor einem Jahr nach dem berühmtesten Babyelefanten gefragt, hätte ich wahrscheinlich „Kibali“ geantwortet – diese kleine Elefantenkuh erblickte 2019 im Tiergarten Schönbrunn das Licht der Welt und wurde von meinen Kindern begeistert begrüßt. Aber heuer erlangte ein ganz anderer Babyelefant zweifelhafte Berühmtheit – geboren von der Werbeagentur Jung und Matt. Sie hatte den Auftrag, nach einem populären und einprägsamen Symbol für den geforderten Abstand von einem Meter zu suchen. Das scheint wohl gelungen zu sein. Denn wenn auch von vielen verlacht, kennt die Bedeutung des Babyelefanten heute wohl jeder Österreicher.

Alligator, Elch und Känguru

In anderen Ländern wäre der Babyelefant übrigens zu kurz geraten. So muss man in Deutschland 1,5 Meter Abstand halten, im englischsprachigen Raum sind es sechs Fuß (1,8 Meter). Deshalb heißen die Abstands-Artgenossen unseres Babyelefanten in Australien offenbar Känguru, in Alaska Elch und in Florida Alligator.

Schutzheilige gegen Seuchen

Das Vize-Wort des Jahres lautet „Corona“ und auch bei diesem Wort hätte man wohl bis vor einem Jahr weniger an einen kronenförmigen Virus gedacht als an ein mexikanisches Bier oder eine katholische Heilige. Die Heilige Corona ist übrigens die Patronin des Geldes, der Metzger und Schatzgräber – ebenfalls wegen der Übersetzung mit „Krone“. An einzelnen Wallfahrtsorten wird sie offenbar auch als Patronin gegen Seuchen verehrt.

Sprachliche Nähe

Im englischen Sprachraum kann man sich heuer gleich über mehrere „Words of the year 2020“ freuen, denn das Oxford English Dictionary konnte sich nicht entscheiden. Waren im Jänner die „bushfires“ noch heiße Kandidaten, ging es dann bald um „lockdown“, „social distancing“ und „reopening“. Auch „superspreader“ ist ein Wort des Jahres 2020. „Black lives Matter“ war übrigens auch für das deutsche Wort des Jahres im Gespräch. Wenn man die Ähnlichkeit der Vorschläge sieht, scheint es fast, als wäre die Welt ein großes Stück zusammengerückt – wenn auch nur rein sprachlich gesehen, in Zeiten des physischen Abstands.

Kibali war bei ihrer Geburt übrigens 90 Zentimeter groß – also hoch. Ob sie tatsächlich einen Meter lang war, ist nicht bekannt.

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