Wort

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2018-01-07

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Im Anfang war das Wort… – richtig, soweit waren wir schon. Doch was ist das, ein Wort? Wikipedia sagt, das ist schwer zu definieren. Ein Wort kann geschrieben oder gesprochen sein – und das auch fließend. Es kann gewechselt werden – vielleicht sogar im Vertrauen.

Wort Dudenredaktion 2017: Duden. Die deutsche Rechtschreibung. 27., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage, S. 1233

Es kann erteilt oder ergriffen werden oder auch geführt. Es kann gehalten oder gebrochen werden, es kann in die Tat umgesetzt oder sogar verdreht werden – es kann sogar geflügelt sein. Manche Menschen kommen auch gar nie zu Wort.

Was schade ist, denn es gibt viele von ihnen: rund 145.000 deutsche Wörter sind im Rechtschreib-Duden aufgelistet. Wobei der Duden selbst zugibt, dass es weitaus mehr gibt als er darin je aufgeschrieben hat. Die Gebrüder Grimm übrigens, die wir mit Aschenputtel und Sterntaler in Verbindung bringen, haben ein Wörterbuch geschrieben, das mit ca. 350.000 Wörtern aufwarten kann. Der Duden verfügt aber auch über den Dudenkorpus, eine schier unendlich große Sammlung an digitalen Texten, die seit 1995 gesammelt wurden. Damit lässt sich die Zahl an deutschen Wörtern auf rund 23 Millionen festsetzen – unter ihnen so bedeutsame Ausdrücke wie „Vogelschutzgutachten“. Das längste Wort im Dudenkorpus lautet übrigens „Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung“. Typisch deutsch eben! Dabei geht der erwachsene Muttersprachler mit 3.000 bis 216.000 Wörtern durchs Leben. Am häufigsten sagt er „der“, „die“ und „und“. Als Mutter von zwei kleinen Kindern hätte ich dabei eher auf „Nein“ getippt – stimmt aber nicht, die Deutschen sind eher „Ja“-Sager. „Nein“ kommt in der Rangliste verwendeter deutscher Wörter erst viel später.

Übrigens gibt es Gedächtnissportler, die sich bemühen, sich möglichst viele Wörter in einem bestimmten Zeitraum zu merken. Der Weltrekord liegt dabei bei 214 Wörtern in 15 Minuten.

Die Forschungsstelle für Österreichisches Deutsch an der Karl-Franzens-Universität in Graz ermittelt seit 1999 das Österreichische Wort des Jahres. 2017 war das der „Vollholler“, den laut damaligem Bundeskanzler Christian Kern sein nunmehriger Nachfolger Sebastian Kurz mit der Forderung nach der Schließung der Mittelmeerroute verzapft hat. Das Unwort des Jahres 2017 bescherte uns Donald Trump bzw. seine Wahlkampfleiterin Kellyanne Conways mit ihren „alternativen Fakten“ zur Anzahl von jubelnden Menschen bei Trumps Amtseinführung.

Kritische Geister, die bei der Nutzung von Facebook und Twitter schon auf die Idee gekommen sind, das Internet würde zu einer Verarmung der deutschen Sprache führen, können grundsätzlich mal beruhigt werden. Wörter werden ständig neu gebildet, erfunden oder aus anderen Sprachen entlehnt. So wird der Wortschatz der deutschen Sprache ständig weiterentwickelt. Das führt aber auch dazu, dass Wörter wie „arschrunzeln“, „chillig“, „Kopftuchstreit“, „Veggie“, „groovig“ oder „fancy“ 2017 in den neuen Duden Einzug gehalten haben – kann man gut finden, oder eben auch nicht.

Vielleicht schafft es ja auch mal die „Wortschneiderei“ in den Duden. Dieser Blog-Text zählt übrigens 437 Wörter.

Quellen:

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