Schönheit

Schönheit

2019-03-16

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Für mich persönlich ist Schönheit ein Begriff, der bislang eher negativ als positiv behaftet war. Schönheit geht nach meinem Gefühl schnell in Richtung „banal“ und „erzwungen“.

Schönheit Dudenredaktion 2017: Duden. Die deutsche Rechtschreibung. 27., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage

Vor allem die englische Übersetzung „beauty“ – furchtbar! Doch ein Museumsbesuch und ein Gespräch mit einer Visagistin für einen Artikel haben mich dazu gebracht, das zu hinterfragen.

Die menschliche Schönheit ist etwas, mit dem ich mich eigentlich überhaupt nicht auseinandersetzen möchte. Sie steht in krassem Widerspruch zu inneren Werten, Intelligenz und Persönlichkeit – so dachte ich unbewusst. Das hat vielleicht auch etwas mit unserer Einstellung zu tun: Frauen sind schön, Männer sind stark. Was für ein Schwachsinn! Und vor lauter Verdammung dieser Ansichten haben wir gleich diese vermeintlich weiblichen Werte wie „Schönheit“ mit verdammt.

Der Blick in den Spiegel als Suche nach Makel

Für einen Artikel sprach ich gestern mit einer Visagistin und Make-up-Artistin über das Schminken und sie erzählte mir, dass die meisten Frauen Make-up immer nur dafür nutzen, ihre angeblichen Makel zu überschminken. Der Blick in den Spiegel habe stets den Fokus, Schwächen und Fehler zu erkennen, die man kaschieren müsste. Sie plädierte dafür, dass Menschen sich mehr mit ihrer Schönheit auseinandersetzen sollten, als mit ihren vermeintlichen Hässlichkeiten.

Am selben Tag dieses Gesprächs habe ich mir im Museum für Angewandte Kunst in Wien die laufende Ausstellung von Sagmeister & Walsh angesehen: „Beauty“. Und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass wir der Schönheit wirklich mehr Bedeutung zukommen lassen sollten – aber dort, wo sie uns tatsächlich Freude bringt. Nicht dort, wo sie meines Erachtens sowieso schon überbewertet wird (Körperkult, Misswahlen, die perfekten Äpfel im Supermarkt,…).

MAK-Ausstellungsansicht, 2018, SAGMEISTER & WALSH: Beauty MAK-Ausstellungsansicht, 2018, SAGMEISTER & WALSH: Beauty
Sagmeister & Walsh, Fog Screen, 2018
Die Installation wurde in Kooperation mit der ERSTE Stiftung produziert.
MAK-Säulenhalle, © Aslan Kudrnofsky/MAK

So zeigen Stefan Sagmeister, der Popstar des Grafikdesign, und seine Partnerin Jessica Walsh im MAK ein Sammelsurium an schönen Dingen – und hinterfragen, warum Funktionalität und Schönheit sich eigentlich ausschließen müssen. Einprägsames Beispiel: Heizkörper. Dinge wie diese könnten doch genauso gut schön aussehen.

Denkanstoß: Glücklicher dank schöner Dinge

Nun ist die Ausstellung an sich vielleicht nicht ganz so anspruchsvoll und wertig, wie ich es mir erwartet hätte. Aber sie hat mir doch einen Denkanstoß geliefert: Wenn Studien zeigen, dass Menschen sich wohler fühlen, gar glücklicher und gesünder sind, wenn sie sich mit schönen Dingen umgeben, warum ist sie uns dann doch oftmals einfach nicht wichtig?

Und Schönheit scheint auch nicht wirklich im Auge des Betrachters zu liegen. So zeigt sich bei der Publikumsabstimmung deutlich: Der Kreis wird allgemein als schönste Form empfunden, „Blau“ ist die schönste Farbe – das ist fast schon allgemeingültig. Und das ist ganz natürlich, meinen die Designer: Der Mensch habe ein naturgegebenes Gefühl für Schönes, wie z. B. der goldene Schnitt oder Symmetrie. Einen Schritt weiter im Museum fragen die beiden Designer dann: Wenn das vermeintlich hässlichste Ding ein braunes Quadrat ist, warum sehen dann so viele Gebäude genau so aus?

Ich habe mir jetzt vorgenommen, Schönheit nicht von Grund weg zu verdammen, sondern mehr zuzulassen. Es gibt so viel Schönheit um uns herum, die wir nur ein bisschen intensiver wahrnehmen müssen – das macht uns offenbar tatsächlich einfach glücklicher. Auf dem Heimweg vom Museum bin ich an einem blühenden Mandelbaum vorbeigekommen. Und das war einfach nur schön!

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