Die Website, das digitale Aushängeschild eines Unternehmens

Die Website, das digitale Aushängeschild eines Unternehmens

2019-03-09

Lesen in 5 Minuten

6 Erkenntnisse zum Thema „Texten für das Internet“.

Die Website, das digitale Aushängeschild eines Unternehmens Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Hätte mir vor gut zehn Jahren auf der Journalisten­akademie1 jemand erzählt, dass ich mal einen beträchtlichen Anteil meines Lebensunterhaltes mit dem Texten für das WorldWideWeb verdienen würde, hätte ich sicher nur ungläubig den Kopf geschüttelt und mein Notizheftchen wieder eingepackt. Doch heute laufen die Dinge anders und es gibt kaum mehr ein Unternehmen, das nicht auf einen ausgereiften Online-Auftritt setzt.

Deshalb habe ich meine Unterlagen von damals herausgekramt und das Erlernte auf Internettauglichkeit untersucht. Siehe da: Die Regeln des Schreibens sind die gleichen, ob nun ein journalistischer Artikel oder ein Website-Text. Hier präsentiere ich meine Top Sechs-Erkenntnisse und Erfahrungen für das Schreiben von Website-Texten:

1. Das Layout ist wichtig, der Text aber auch!

Viele Unternehmen machen sich heutzutage viele Gedanken um das Design ihrer Homepage. Die richtigen Farben, die stimmige Schriftart, möglichst viel Tamtam auf der multimedialen Ebene. Was dabei oft in den Hintergrund rückt ist der Text. Den wird die beauftragte Werbeagentur schon mitliefern.

Das sehe ich als Texterin naturgemäß etwas anders. Als gelernte Journalistin weiß ich zwar, dass das Layout wichtig ist, um die Blicke der Leser zu lenken. Aber ich werde nie verstehen, warum Menschen auf die Idee kommen, der Inhalt der Website sei vernachlässigbar, wenn nur das Design stimmt. Blödsinn! Natürlich „isst“ das Auge mit, aber ohne Zutaten gibt es erst gar kein Gericht. Oder anders formuliert: Wer seinem Website-Besucher seine Leistungen schmackhaft machen möchte, sollte mehr zu bieten haben als eine hübsche Verpackung.

2. Information ist das hehre Ziel

Wer auf eine Website kommt, sucht oder erwartet sich etwas. Ich habe immer noch meinen Lektor für Radio-Journalismus an der Universität vor Augen, der mit allen nur erdenklichen gymnastischen Verrenkungen seinen Worten Ausdruck verlieh, wenn er durch den Hörsaal schrie: „Du musst deinen Hörer da abholen, wo er gerade steht! Nimm ihn bei der Hand und führ ihn!“2

In diesem Sinne: Holen Sie Ihre Website-Besucher da ab, wo sie gerade stehen: bei der Suche nach einem Produkt, einer Leistung – vor allem einer Information. Das setzt natürlich voraus, dass ich meine Leser ein bisschen kenne. Ich muss wissen, wie und warum Besucher auf meine Homepage geraten und was sie dort zu finden hoffen. Google Analytics ist da eine große Hilfe, aber auch das gute alte Gespräch mit Kunden und Partnern.

3. Recherche ist für Website-Texte wichtiger denn je

Wer glaubt, mit ein paar leeren Worthülsen, aufgeblasen durch Phrasen, Füllwörter und viel Wischiwaschi sei es getan, wird nicht besonders glücklich mit seiner Website sein. Eine Website muss informieren – und dazu braucht es richtige Recherche eines Profis.

Informationen sammeln, fragen, vor Ort sein, sich ein Bild machen und die Ergebnisse auf ihre Tauglichkeit prüfen. Das Internet ist weltweit zugänglich: Nie war es leichter, falsche Informationen auffliegen zu lassen. Der Mitbewerber ist heutzutage nur einen Klick davon entfernt, den Homepage-Content als Fake-News zu entlarven. Natürlich möchte jeder sein Unternehmen ins schönste Licht rücken. Doch Vorsicht, wenn plötzlich das Licht nur noch blendet!

4. Seriös? Gerne! Aber mit Klasse.

Viele meiner Kunden haben in Bezug auf die Beauftragung professioneller Website-Texte vor allem eine große Befürchtung: „Wir wollen aber schon noch seriös rüberkommen!“ Sie sind beunruhigt, dass berufsmäßiges Texten mit Marktschreierei einhergeht. Tut es nicht! Im Gegenteil: Das Schreiben einer puren Nachricht verlangt einem Journalisten oft mehr handwerkliches Geschick und Erfahrung ab als eine stimmungsvolle Reportage.

So ist es auch bei Homepage-Texten: Hier braucht es Erfahrung und Handwerk. Schließlich sollen Informationen auf den Bildschirm gebracht werden – statt Floskeln, Geschwurbel und Wertungen. Und trotzdem muss bei einem Website-Text – entgegen der journalistischen Nachricht – auch noch ein bisschen Platz für Atmosphäre sein.

5. Lebendig und dynamisch – so wie das Internet selbst

Die Zeiten, in denen eine Homepage eine statische Seite war, die dann über Jahre hinweg im immergleichen Gewand den Besucher langweilte, sind vorbei. Heute muss die Website stets mit Neuigkeiten und interessanten Details gefüttert werden – nicht zuletzt, weil Suchmaschinen es „schätzen“, wenn immer neuer Content auf der Website erscheint. Aber auch der Mensch mag beim Lesen das Gefühl, aktuelle Informationen zu bekommen. Nichts ist so alt wie… Sie wissen schon!

Diese Dynamik funktioniert, wenn die Seite regelmäßig mit News-Texten und Blog-Artikeln gefüttert wird. Der nötige Stoff dafür findet sich immer. Hier kann man dann auch mit verschiedenen Nachrichtenformen spielen: Warum nicht mal ein Interview mit einem Abteilungsleiter schreiben? Oder eine Reportage aus der Produktionshalle? Ein Mitarbeiterporträt oder einen Kommentar des Geschäftsführers zur aktuellen Branchensituation? Das alles ist professionelles Schreiben und bringt Leben in die Seite – ganz seriös.

6. Nicht zu viel voraussetzen – oder: „Wie erklär ich‘s der Oma?“

Viele Website-Texte verlieren sich im Fachchinesisch. Da wird mit vielen Adjektiven und Fachvokabeln lang und breit erklärt, was das Unternehmen kann. Seit neuestem auch noch vermeintlich mit SEO (Suchmaschinenoptimierung). Und der durchschnittliche Kunde versteht nur Bahnhof. Mein ehemaliger Chef in der Redaktion hat mich immer wieder gefragt: „Würdest du das auch so deiner Oma erzählen?“

Jeder Besucher einer Website sollte beim Lesen verstehen, was das Unternehmen eigentlich macht, sonst wird er sich ratlos nach Mitbewerbern umschauen. In klarer – aber lebendiger Sprache – sollen die Informationen aufbereitet werden. Gut strukturiert, mit Zwischentitel versehen und mit Links zum Weiterlesen bestückt: So freut sich nicht nur der Leser, sondern auch die Suchmaschine – denn auch das ist SEO!

Und zum Schluss noch ein kleiner Bonus-Tipp:

Viele glauben, im Internet regieren die Kurztexte. Dem ist nicht so! Auch in Blogs oder Websites dürfen durchaus lange Texte vorkommen. Die Leute haben sich ans Scrollen gewöhnt. Vielleicht wird nicht der gesamte Text von oben nach unten durchgelesen, aber Leserverhaltensstudien zeigen, dass viele durchaus zwischendurch wieder irgendwo einsteigen. Zwischentitel erleichtern dieses Verhalten. Wer was zu sagen hat, darf das ruhig auch in voller Länge tun. Sie haben’s ja auch bis hierher geschafft – und dieser Text ist wirklich lang 😊


  1. Es war schön, sich mal wieder in die Grundlagen zu vertiefen, die uns der großartige Hans-Joachim Schlüter an der Oberösterreichischen Journalistenakademie so wundervoll beigebracht hat. Ich habe immer noch den höchsten Respekt vor seiner Arbeit! Wenn jemand weiß, was aus dieser Koryphäe des Journalismus und der Journalistenausbildung geworden ist, möge er mich bitte kontaktieren – ich konnte leider nichts dazu herausfinden! [return]
  2. Lieber Manfred Baumann, danke, dass du uns so einprägsam Wissen vermittelt hast. Ich freue mich, dass deine Methoden auch beim Bücher-Schreiben so gut aufgehen – und fühle mich beim Lesen stets an der Hand genommen und durch die Geschichte geführt 😉! [return]
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