Texterin – „Ahaaaaaa…???“

Texterin – „Ahaaaaaa…???“

2018-11-18

Lesen in 3 Minuten

Warum kein Text so schwer ist, wie der, der einen selbst beschreiben soll – und die Bitte um tatkräftige Mithilfe!

Texterin – „Ahaaaaaa…???“

„Was machst du beruflich?“ – „Ich bin Texterin.“ Nach dieser Antwort stehe ich meist vor einem personifizierten Fragezeichen und ernte ein „Ahaaaaa…“ als Antwort. Bestenfalls ist ein interessiertes „Aha?“, oft liegt der Tonfall aber auch irgendwo zwischen Verständnislosigkeit und totaler Langeweile. Ich komme zu dem Schluss: „Texterin“ ist die denkbar schlechteste Berufsbezeichnung, die ich mir selbst geben kann. Nun bin ich auf der Suche nach Alternativen. Folgende Varianten habe ich schon durch – und wieder verworfen:

„Ich schreibe.“

Vorteil: Es beschreibt eigentlich genau das, was ich wirklich jeden Tag mache.

Nachteil: Es klingt fürchterlich hochtrabend und da ich im Anschlussgespräch mit keinem Ingeborg Bachmann-Preis aufwarten kann oder mit mindestens fünf bekannten Romantiteln, die meiner Feder entsprungen sind, fühlt sich der Gesprächspartner schnell betrogen.

„Ich bin Werbetexterin.“

Vorteil: So lautet die offizielle Berufsbezeichnung, auf die mein Gewerbe läuft.

Nachteil: Dabei ernte ich oft ungläubige Blicke. Die Gesprächspartner können mich einfach nicht in Einklang bringen mit ihrem Bild von professionellen Kreativen, die vermeintlich irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn durch ein sehr lasterhaftes Agentur-Leben navigieren – zum Glück können sie das nicht! Und Werbe-Texte sind ja auch nur ein ganz winziger Teil meines Portfolios.

„Ich habe Kommunika­tions­wissenschaften studiert, war Journalistin und Redakteurin, habe dann in die PR gewechselt, viele Jahre in Agenturen gearbeitet, und dabei für zum Teil sehr große Kunden Presse- und Öffentlich­keits­arbeit gemacht – alles von der Strategie über die Festlegung der Projekte bis hin zu den Kommunikations­maßnahmen. Nach den zwei Kindern wollte ich etwas flexibler sein, habe mich selbst­ständig gemacht und konzentriere mich nun auf das, was ich wirklich am liebsten mache: das Schreiben.“

Vorteil: Der geschichtliche Hintergrund erklärt wohl am Besten, was ich kann und was ich mache.

Nachteil: Der Zuhörer ist eingeschlafen und weiß erst recht nicht, was ich eigentlich beruflich mache.

„Ich bin selbstständig als Journalistin, PR-Beraterin und Texterin, schreibe journalistische Artikel, Presse­mit­teilungen, Presse­texte, Presse­aus­sendungen, Presse­meldungen, Presse­mappen, Texte für Reden, Texte für Werbematerial, Broschüren, Flyer, Folder und Advertorials, Texte für Einladungen oder Mailings, Texte für Websites, Newsletter für die Kunden und Partner meiner Kunden, Blog-Texte für Websites, Facebook-Postings, bin auch Ghostwriterin für Buchprojekte, mache die Redaktion für Mitarbeiter­zeitungen, Unternehmens-Zeitschriften, Kunden­magazine und Mitglieder­zeitungen, ich überarbeite bestehende Texte, mache redaktionelles Lektorat und orthografisches Korrektorat, übernehme auch Aufträge, bei denen ich Grafik, Fotografie, Druck und Gestaltung mitkoordiniere und die PR-Beratung für Strategien, Konzepte und Botschaften schwingt sowieso immer mit.“

Vorteil: Es beschreibt sehr genau, was ich eigentlich mache.

Nachteil: Der Zuhörer ist spätestens jetzt in die Tiefschlafphase gesunken und weiß damit wieder nicht, was ich mache.

Tja, kein Text ist so schwer, wie der, der einen selbst beschreiben soll. Also, meine lieben Leserinnen und Leser: Wenn Sie noch nicht eingeschlafen sind, haben Sie jetzt die Gelegenheit, mir mit einer griffigen Beschreibung für meine eigene Berufsbezeichnung aus der Patsche zu helfen! Ich bin gespannt auf viele gute Vorschläge!

Weitere News Frühere News